Radio Gaarden "Ihr seid Gaardener und Ihr sollt mitmachen!"

von Inka Harms

Kulturschaffende vom Kieler Ostufer haben ein ambitioniertes Projekt ins Leben gerufen, das auch über die Grenzen Gaardens hinaus rund um die Uhr, an sieben Tagen der Woche über den digitalen Äther erlebt werden kann.

Musik und passende Moderation, zur richtigen Zeit und am richtigen Ort

Dass die Künstlergruppe K34 in ihren alten Stadtteil zurückgekehrt ist, wird auch am kulturellen Leben in Gaarden spürbar. Mit ihrem jüngsten Projekt "Radio Gaarden“ ist sie im Sommer 2008 auf Sendung gegangen und liefert seitdem in einem 24-Stunden-Programm unter www.radio.gaarden.net eine breite Palette von Beiträgen.

"Herzlich willkommen bei GaGaGaarden. Wir beginnen die Sendung mit einem Lied aus den 1980ern, welches im Rahmen der aktuellen Finanzkrise eine ganz neue Aktualität gewinnt. Freuen Sie sich auf Extrabreit: Kleptomanie."

Sendungen mit so schwungvollen Titeln wie „Seniorenteller“, „Bodo Brückenböschungs Klangstube“, „Vinyl am Kanal“ oder auch „Unanständiges zur Nacht“ haben ihr Hörerpublikum bereits gefunden. Klein aber fein: Zur Zeit schalten täglich zwei bis drei Dutzend das Radio an, Tendenz zunehmend. Bei musikalischen Experimenten wie Heinos „So’n kleiner Garten vor der Stadt“ steigt schon mal der eine oder die andere wieder aus.

Insgesamt liegen die Sendungen fernab vom Mainstream und machen eine Besonderheit dieses unkonventionellen Radiosenders aus, bei dem es auch allerlei Kurioses der Musikwelt zu entdecken gibt. Wer bei der Sendung „GaGaGaarden“ reinhört kann erleben, wie das Neue Deutsche Welle-Lied „Alte Pizza“ durch die Liedertafel Margot Honecker abgelöst wird. Aber auch Liebhaber verschiedener Stilrichtungen von Acid Jazz über Blues bis Elektro-Punk werden von Musikkennern mit Beiträgen und reichlich Hintergrundwissen versorgt.

Die Webseite von Radio Gaarden führt zu den Sendungen und ist mit anderen Gaarden.net-Blogs sowie Projekten der K34 verlinkt

+++ GREAT! Damn nice +++ Dass eine Stunde so kurz sein kann +++ Ach, nun kommt wieder Shorts mit seiner sexy Stimme +++ Wohne in Gaarden. Höre Euch! +++

Nun lässt diese Art von Internetradio auch Freiraum für Neues. Musik machen alleine genügt Ihnen nicht, das Radio soll auch einen lokalen Bezug haben und wo in Kiel gibt es so viel zu berichten wie hier? So ist es ein erklärtes Ziel der Macher bei Gaardener Bürgern das Interesse am Radio zu wecken, um das kulturelle Leben in ihrem Stadtteil mitzugestalten. In diesem Sinne fand bereits ein erster Workshop für den Nachwuchs statt, der vor allem unter den Computer-Laien Sorgenfalten glätten und von der Technik bis zur optimalen Moderation das Know-how näher bringen konnte. Die ersten sind bereits mit ihrer eigenen Radiosendung am Start.

In der "Donnerstags-Bar" macht sich der Nachwuchs in Radio- Workshops mit der nötigen Technik vertraut

Im Hinterhofgebäude der Galerie K34 in der Medusastrasse 14, die immer am Donnerstag Abend als Treffpunkt und Kommunikationsort genutzt wird, soll ein Medienraum entstehen, der hierfür das nötige Equipment bereitstellt. Ein Projekt wie dieses fordert neben viel Zeit und Hingabe aller Beteiligten auch finanzielle Mittel. „Bisher haben wir das Mindeste an Ausrüstung aus unserem Privatbestand zur Verfügung gestellt und Geld zusammengeschmissen, um uns ein einigermaßen gutes Aufnahmegerät zu kaufen. Da fehlt es noch an allen Ecken und Enden und Spenden sind mehr als willkommen“, betont Hoffmeister.

Wenn es einmal soweit ist, sollen auch vermehrt Interviews zu aktuellen Ereignissen, Lesungen, Produktionen von Schul AGs oder Beratungssendungen der Arbeitsloseninitiative ihren Platz nebst der Musik finden. Das Radio möchte gefüllt werden.

Als großen Fisch haben sie den Live-Mitschnitt des Gaardener Ortsbeirates an Land gezogen. Die Idee entwickelte sich der Legende nach durch folgendes Gespräch: „Wollen wir nicht mal zum Ortsbeirat gehen und gucken was da passiert?“ „Nee, dass ist doch total langweilig.“ „Wenn wir schon hingehen, dann muss da zumindest ein Blog bei rauskommen“.

 

Radio Gaarden betrat Neuland und sah die Chance, zu einer „Re-Demokratisierung“ des Stadtteils beizutragen. „Denn bei 30 Prozent Wahlbeteiligung kann nicht von demokratischen Verhältnissen gesprochen werden“, so Hoffmeister und seine Mitstreiter. Nach kontroversen Diskussionen der beteiligten Parteien kam es im Dezember 2008 schließlich zu dem notwendigen einstimmigen „Okay“. Gaarden hat nun den „modernsten Blogbeirat der Welt“, wie es auf der Webseite des Radios heißt. Ab jetzt können die Sitzungen aufgezeichnet und veröffentlicht werden.

 

Die erste ist bereits ungeschnitten und noch ohne Moderation im Netz. Tagesordnungspunkt 8, die „Verbesserung der Situation mit Hundekot auf Gaardener Straßen“, frei nach Schnauze im Ortsbeirat diskutiert und von allgemeinem Interesse, bekam einen Hauptsendeplatz. Die Bürger sollen die Arbeit und Entscheidungsfindung des Ortsbeirates transparent erfahren, diskutieren und mitgestalten. Kommentare können auf der Webseite abgegeben werden. Bei einigen wurde bereits das Interesse geweckt. Die Sitzungen dauern jetzt länger und sind besser besucht. Der Ortsbeirat tagt nicht mehr im Dunkeln.

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Radio Gaarden